Kaprálová

Vítězslava Kaprálová

#Konzert

Dirigent: Richard Hein
Orchester der Staatsoper

Taťjana Medvecká liest aus der persönlichen Korrespondenz von Vítězslava Kaprálová.

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Vítězslava Kaprálová: Die Militär-Sinfonietta Op. 11

Die Militär-Sinfonietta Op. 11 hat Vítězslava Kaprálová im Jahr 1937 als ihre Absolventenarbeit komponiert und dem tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Beneš gewidmet. Die Uraufführung fand unter der Leitung der Komponistin durch die Tschechische Philharmonie anlässlich eines vom Nationalrat der Frauen am 26. November 1937 im Prager Palais Lucerna veranstalteten Konzertes statt. Aufgrund des großen Erfolgs wurde das Werk auch beim Festival der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Juni 1938 in London aufgeführt; bei diesem Konzert hat die Komponistin das BBC Orchestra dirigiert.

Über die Uraufführung erfahren wir mehr aus der Korrespondenz von Vítězslava Kaprálová, die unter dem Titel Briefe nach Hause: Korrespondenz an die Eltern aus den Jahren 1935–1940 (Toronto: THE KAPRALOVA SOCIETY, ©2015) erschienen ist:

Briefe Nr. 66 und 72
So sitze ich jetzt in meiner Wohnung (neben mir der Hund Dezik), ganz erschöpft und froh, dass ich es bereits hinter mir habe. Nicht etwa das Konzert, das könnte man ja wiederholen, doch die Reise, das ganze Getümmel, die Streitereien mit Frau Plamínková etc. Vergesst nicht, mir alle Kritiken zu senden, vor allem die deutschen. In den Herrn Präsidenten bin ich immer verliebt, und unglücklich zugleich, dass ich ihn wahrscheinlich nicht so bald wieder sehen werde. Um Euch, und vor allen dem Papa, zu schreiben, wie es alles war, so wiederhole ich: Als mich der Diener zu ihm geführt hat, war dort irgendeine Sekretärin des Frauenrats und störte ihn mit einem langen Gerede über das diesjährige Programm oder dergleichen. Als sie damit zu Ende war, hat mich die Plamínková an der Schulter gepackt und gesagt: „Hier stelle ich Ihnen, Herr Präsident, unsere Komponistin und Dirigentin vor.” Der Herr Präsident hat sich verbeugt und ich sagte: „Herr Präsident, ich weiß nicht, was ich sagen soll, nur, dass ich mich wie im siebten Himmel fühle.“ Er hat gelacht, mir die Hand geschüttelt und mich an Frau Hana verwiesen, der ich gesagt habe, wie sehr ich mich freue, sie kennen zu lernen. Dann haben wieder irgendwelche Buchhalterinnen oder dergleichen mit ihren geschäftlichen Angelegenheiten begonnen, doch der Herr Präsident hat nicht einmal zugehört, plötzlich ihren Kreis durchbrochen (ich bin bescheiden hinten gestanden und habe nur auf ihn geschaut, halb lächelnd, halb „geheult“) und ist auf mich zugegangen. Und dass er sich bei mir für die Widmung bedanken muss. Es hat ihm gefallen, „doch wir müssen abwarten, was die Herrn Fachmänner in den Zeitungen sagen werden“. Die Plamínková war überrascht, dass er ihnen mitten im Gespräch entkommen ist, zog ihn erneut an sich (sie hat sich nämlich zwischen ihn und mich gestellt) und begann wieder mit ihrem interessanten Geschwätz. Und jetzt ist das überhaupt schönste gekommen, was ich eigentlich nicht beschreiben kann. Der Herr Präsident hat heimlich geseufzt und mich so munter, so schelmisch angesehen – mit so einem Blick, als wollte er sagen: Ach, wir haben mit diesen Fräuleins hier eine Plage, doch wer in den Krieg zieht, muss kämpfen, auch wenn er einen so schlechten Soldaten hat wie die Frau Abgeordnete Plamínková. Und dabei ist er todernst und stramm dagestanden. Es war etwas sehr Komisches in diesen Kontrasten, zuerst die Ausgelassenheit und dann die Ernsthaftigkeit, dass ich hinter dem Rücken von Frau Plamínková kichern musste, und er hat das gesehen. Und er hat sie zum dritten Mal unterbrochen und gesagt: „Frau Abgeordnete, geben Sie mir das alles schriftlich, und man wird sehen, was getan werden kann.“ Er ist an ihr vorbei gegangen, ist zum dritten Mal zu mir zurückgekehrt und hat begonnen: „Sie waren Schülerin von Novák, nicht wahr?“ „Ja, das war ich. – Jetzt bin ich in Paris.“ „Ach so??“ „Ja, ich habe ein Stipendium der französischen Regierung erhalten, so dass ich etwas von der internationalen Luft in meine Lungen bekomme.“ „Das ist aber schön! Nur so weiter, ich möchte bald wieder etwas von Ihnen hören; also zum letzten Mal – leben Sie wohl.“ Er hat gute 5 Minuten meine Hand gehalten und sie herzlich geschüttelt und ich habe nur geschaut und geschaut und war wirklich im siebten Himmel. Auch Frau Hana hat mir noch die Hand geschüttelt und der Herr Präsident hat sich entfernt. Er hat es geschafft, dass ich ihm am liebsten alle meine Werke widmen möchte, und es würden so viele werden, dass er mir offiziell verbieten müsste, zu komponieren.

Jedes Mal vergesse ich ausgerechnet, wie es eigentlich mit dem Dirigieren beim Konzert gewesen war. Dass der blöde Posaunist (in der Hälfte des Werkes) um 6 Takte zu früh eingesetzt hat, hast Du, Papa, wahrscheinlich selbst bemerkt. Fast 40 Takte hat er das hartnäckig durchgehalten. Das hat mich geärgert (nicht aus der Fassung gebracht, aber doch geärgert), und ich war nicht mehr in Stimmung wie bei der Generalprobe, um mehr aus ihnen herauszuholen. Also dirigierte ich nicht mit so einem Gusto wie vormittags, weil dieses Gefühl normalweise nach der Exposition, in der Durchführung gekommen ist, und da hat es dieser Tölpel vermasselt. Nun, ich werde mich in London dafür entschädigen.

Foto: Serghei Gherciu

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